Schnitzen für Anfänger: So fängst du an
Für den Anfang brauchst du nur drei Dinge: ein scharfes Schnitzmesser, ein Stück weiches Holz wie Linde und ein Abziehleder, mit dem du die Klinge scharf hältst. Lerne zuerst drei kontrollierte Schnitte, schnitze immer mit der Faser und vom Körper weg und beginne mit einer kleinen, kompakten Figur, zum Beispiel einem Pilz.
Das brauchst du am Anfang
Viele kaufen am Anfang zu viel Werkzeug. Für die ersten Wochen reicht ein einziges Messer mit einer Klinge, die nicht zu lang ist. Eine Sloyd-Klinge ist eine gute Wahl, weil sie für das Grobe taugt und mit der Spitze auch in Ecken kommt, etwa beim Schnitzmesser mit Sloyd-Klinge. Erst wenn du merkst, dass dir für Gesichter oder Mulden eine Form fehlt, kommen weitere Messer dazu.
| Was | Wofür | Wann |
|---|---|---|
| Schnitzmesser | grobe Form, Flächen, Stoppschnitte | von Anfang an |
| Weiches Holz, zum Beispiel Linde | üben, ohne viel Kraft aufzuwenden | von Anfang an |
| Abziehleder mit Polierpaste | die Schneide scharf halten | von Anfang an |
| Bleistift | Umrisse und Faserrichtung anzeichnen | von Anfang an |
| Pflaster und Verbandszeug | kleine Schnitte versorgen | von Anfang an |
| Detailmesser | Augen, Haare, enge Stellen | nach den ersten Figuren |
| Hakenmesser | Löffel und Schalen | wenn du Löffel schnitzen willst |
Wenn du lieber gleich mehrere Klingenformen ausprobieren möchtest, ist ein Set ein guter Weg. Das Schnitzmesser-Set mit fünf Teilen enthält zum Beispiel auch ein Detail- und ein Hakenmesser.
Das richtige Holz
Linde ist das klassische Holz zum Schnitzenlernen. Sie ist weich, gleichmäßig aufgebaut und lässt sich nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in jede Richtung hervorragend schnitzen. Auch Pappel, Erle und Zirbe sind weich. Harte Hölzer wie Buche oder Eiche hebst du dir besser für später auf. Für die ersten Figuren eignen sich kleine Blöcke und Leisten, zum Beispiel Lindenholz in 18 Blöcken. Einen Vergleich der Holzarten findest du im Ratgeber Welches Holz zum Schnitzen.
Wichtig ist die Faserrichtung. Die Fasern laufen wie Bündel aus Strohhalmen der Länge nach durch das Holz. Schneidest du mit der Faser, also von dick nach dünn, gleitet die Klinge sauber. Schneidest du dagegen, hebt das Messer die Fasern an und das Holz reißt ein. Merkst du, dass es reißt, dreh das Werkstück und schneide aus der anderen Richtung.
Die ersten Schnitte
Drei Schnitte reichen für die erste Figur. Übe sie an einer Leiste, bevor du ein richtiges Projekt beginnst.
- Grobschnitt: Du hältst das Messer in der Faust und schneidest vom Körper weg. Die Klinge setzt flach und nah am Griff an und gleitet beim Schnitt bis zur Spitze durch. Je steiler du ansetzt, desto tiefer geht der Schnitt. So nimmst du viel Holz ab.
- Daumenschub: Für feinere Arbeit hältst du das Werkstück in einer Hand und drückst mit dem Daumen dieser Hand auf den Klingenrücken. Das Messer bewegt sich nur wenige Zentimeter. Der Schnitt ist kurz, kräftig und gut zu kontrollieren.
- Stoppschnitt: Du schneidest an einer Linie etwa einen Millimeter tief ein. Schnitte, die von der Seite kommen, enden an dieser Kerbe. So grenzt du zum Beispiel einen Hutrand oder einen Pilzstiel klar ab.
Später kommt der Schälschnitt dazu, bei dem du das Messer wie beim Kartoffelschälen zum Daumen hin ziehst. Er braucht mehr Übung und einen geschützten Daumen. Mehr zu Griffen, Schnittrichtung und Arbeitsplatz steht im Ratgeber Sicher schnitzen.
Das erste Projekt: ein Pilz
Ein Pilz ist kompakt, hat keine dünnen Teile, die abbrechen können, und verzeiht Fehler. Du brauchst eine Leiste aus Linde von etwa 2,5 × 2,5 × 10 cm.
- Zeichne rundum eine Linie, wo der Hut endet und der Stiel beginnt.
- Setze auf dieser Linie rundherum einen Stoppschnitt.
- Schneide den Stiel von unten zum Stoppschnitt hin schmaler. Wiederhole Stoppschnitt und Abtragen, bis der Stiel etwa halb so dick ist wie der Hut.
- Runde den Hut von oben zur Kante hin ab, immer mit der Faser.
- Trenne den Pilz unten von der Leiste und glätte die Standfläche.
Danach kannst du mit dem gleichen Ablauf einen Wichtel schnitzen: Statt des Huts entsteht eine spitze Mütze, darunter ein Gesicht mit Nase und Bart.
Die Klinge scharf halten
Ein stumpfes Messer braucht mehr Kraft, und wer mehr drückt, rutscht leichter ab. Zieh die Klinge deshalb vor jeder Arbeit und dann etwa alle halbe Stunde auf einem Abziehleder ab, zum Beispiel auf dem doppelseitigen Abziehleder. Die Klinge wandert dabei mit dem Rücken voran über das Leder, die Fase liegt flach auf. Ein Zeichen, dass es Zeit wird: Das Messer reißt die Fasern, statt sie zu schneiden, oder die Schnittflächen bekommen Streifen.
Drei Regeln für mehr Sicherheit
- Schneide so, dass die Klinge an keinem Körperteil ankommt, wenn sie abrutscht, auch nicht am Oberschenkel.
- Arbeite im Sitzen, in Ruhe und mit dünnen Spänen statt mit Kraft.
- Halte Abstand zu anderen Menschen und leg das Messer weg, wenn du nicht schneidest.
Die erste Figur wird selten so, wie du sie dir vorgestellt hast. Das gehört dazu. Bei der zweiten weißt du schon, wo das Holz reißt und wie viel du auf einmal abnehmen kannst. Genau so lernt man Schnitzen: Stück für Stück, Span für Span.
